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Urgeschichtliches von St. Niklaus

Die Würmeiszeit begann vor 75'000 Jahren, welche die Spuren der früheren alpinen Bewohner des Nikolaitals verwischte. Das Endstadium dieser letzten Eiszeit fand nachweisbar 11'000 vor Christi statt.

Zeugnisse menschlicher Tätigkeit des Mesolithikums (der Mittelsteinzeit) sind in St. Niklaus nahe unter der Balmulägni auf dem Weg nach Jungen und in den Irmenzen überliefert. In den Lochmatten wurde 1891 ein Grab gefunden. Am 20. Juli 1971 wurde in den Gerstern eine Grabstätte des Neolithikums (Jungsteinzeit) aus dem ersten Jahrtausend vor Christus entdeckt, welche wertvolle Armspangen und andere Schmuckstücke enthielt. Dieses Grab geht in die Übergangszeit von der keltischen zur La-Tène-Kultur zurück und kann um 500 vor Christi Geburt datiert werden.

St. Niklaus ein Handelszentrum

Oberhalb Jungen bei der Twärra erkennen wir noch den guterhaltenen Rest des alten römischen Handelswegs. Er führte von St. Niklaus nach Süden über Zermatt ins Aostatal. Nach Norden wendete er sich über den Augstbordpass (2894 m ü. M.) ins Rhonetal nach Turtmann, über Leuk, Leukerbad und den Gemmipass ins Berner Oberland.

Die Namengebung des Augstbordpasses kann auf den römischen Kaiser Augustus zurückgeführt werden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit dieses Überganges in früheren Zeiten.

Dass diese Handelsroute schon vor Tausenden von Jahren benutzt wurde, beweisen die verschiedenen Funde. Bei der steinzeitlichen Siedlung in den Irmenzen in Richtung Jungen und Augstbordpass trifft man auf die Bicki-Technik der gestellten Steine, die für alte Verbindungswege von besonderer Bedeutung waren. Bei den Renovationsarbeiten der Kapelle von Jungen wurden Tierknochen gefunden, die auf eine mesolithische (mittelsteinzeitliche) Besiedlung schliessen lassen.

Der Handelsweg wurde früher auch von vielen Kranken benutzt, die an der Augstbordquelle Heilung suchten. Schon der Sittener Apotheker Konrad Ambuel wusste 1557 zu berichten, dass auf dem Augstbord fast jeden Tag eine besondere Menschenschar von überall her zusammenströmte, um aus dem Goldbrunnen zu trinken.

Das geschichtliche St. Niklaus

Der Name Kalpetran lässt sich aus dem Keltischen ableiten und bedeutet Felsenweg. Ebenso Randa, es bedeutet Rand. Wenn diese Deutungen stimmen, war die Gegend St. Niklaus von 400 vor Christi Geburt bis zur Römerzeit besiedelt.

Im Mittelalter war das Gebiet der heutigen Gemeinde auf fünf verschiedene Verwaltungseinheiten aufgeteilt, nämlich: Dorfmark, Jungen, Matt, Winkeln und Gasenried. Zusammen bildeten sie das Meiertum Chouson.

Bis ins Mittelalter kann nachgewiesen werden, dass die Kommune Dorfmark Hauptort der Talschaft war. Was die Gemeinde Jungen auf 1955 m ü. M. betrifft, kann gesagt werden, dass es im Alpengebiet bis zum Einbruch der Kleinen Eiszeit Ende des 13. Jahrhunderts ganzjährige bewohnte Siedlungen bis in Höhenlagen um 2200 m ü. M. gab.

Ab 1802 war dann die Kommune in vier verschiedene Verwaltungseinheiten gegliedert: Dorfmark, Äusseres Matt, Inneres Matt und Gasen. Anhand des Meierturms von St. Niklaus war die heutige Gemeinde bis 1865 in die vier Verwaltungseinheiten geteilt. Das Innere Matt, heute Herbriggen, reichte talauswärts vermutlich bis zum Grossen Graben und dem Blattbach. Das Äussere Matt umfasste Biffig, Ballacker, Balmatten, Schwiedernen und Stahlen, während das Dorfmark wahrscheinlich durch Spisszug und Stockschleif begrenzt wurde.

In den vier Sternen des Gemeindewappens sind die damaligen vier Verwaltungseinheiten verdeutlicht. Das Kleeblatt im Wappen deutet auf die Familie Riedmatten, die ihre Wurzeln in St. Niklaus im Weiler Riedmatten hat und schon seit dem Ende des 13. Jahrhunderts genannt wird.

1829 sind es noch drei Gemeinden: St. Niklaus, Gasenried und Matt mit einer Gesamtbevölkerung von 486 Personen.

Um 1855 gab es noch zwei Gemeinden im heutigen St. Niklaus, nämlich St. Niklaus-Matt mit 261 Einwohnern und St. Niklaus-Dorf mit 215 Einwohnern.

Die Grenzen des heutigen Gemeindegebietes von St. Niklaus bestehen erst seit 1865.

1870 vereinigten sich auch diese beiden Gemeinden St. Niklaus-Matt und St. Niklaus Dorf zur heutigen Gemeinde St. Niklaus.

1960 wies St. Niklaus nach Naters im Oberwallis die grösste Zahl von Bürgern auf.

Tal und Dorf St. Niklaus trugen durch die Jahrhunderte verschiedene Namen, die sich entweder auf das Tal oder auf das Dorf bezogen. Der Name St. Niklaus wurde früher ausschliesslich zur Bezeichnung der Kirche verwendet und erst vom 19. Jahrhundert an offiziell auf Dorf und Gemeinde übertragen.

Von 1218 an finden sich in den Urkunden Namen wie Choson (1218), Chouson (1227), Zauxon (1291), Gauson (1301), Gasen (1574) und andere mehr bis hin zu Schausa (1615).

Chouson, der alte Name von St. Niklaus, ist fränkisch und bedeutet Talsenke. Er fällt in die Zeitperiode des 4. - 8. Jahrhunderts nach Christi.

Wie der Ortsname von St. Niklaus haben sich auch die Familiennamen im Laufe der Zeit geändert. Früher war es gebräuchlich, sich vom Orte des Wohnsitzes einen Familiennamen abzuleiten und dieser wechselte nicht selten bei Veränderung des Wohnsitzes. So wurde aus Bünder Biner, aus Brügger Brigger und aus Brunder Brunner.

Die Geschichte der Pfarrei

Wie andernorts auch, liegen die Ursprünge der Pfarrei St. Niklaus im Dunkeln. Es wird vermutet, dass ihre Errichtung aber lange vor 1250 anzusetzen ist, da St. Niklaus bereits 1218 bischöfliches Lehen war.

Hinsichtlich der Gründung und ursprünglichen Zugehörigkeit der Pfarrei St. Niklaus gehen die Meinungen auseinander. Die Einen nehmen an, dass Chouson nie zur Pfarrei Visp gehört habe, die anderen vermuten, dass es von Visp aus zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Bekanntlich sollen aber die Pfarrer von Visp über die Grenzen von Embd und Grächen hinaus keinerlei Rechte und Verpflichtungen besessen haben.

In einer Urkunde von 1268 wird erstmals von "parrochia et vallis de Chouson" gesprochen und 1272 wird urkundlich eine Kapelle oder Kirche aufgeführt die dem hl. Nikolaus als Ortspatron geweiht war. Es wird vermutet, dass diese Kapelle oder Kirche das erste Gotteshaus des gesamten Tales und für lange Zeit dessen Pfarrkirche war. Ebenfalls aus dem Jahre 1272 stammt die erste urkundliche Erwähnung eines Pfarrers, eines gewissen "Anselm de Chouson".

Für das frühe 14. Jahrhundert ist das Bestehen einer Kaplaneispfründe in St. Niklaus bezeugt.

Wie für die Mutterpfarrei, so blieben auch für die vier Tochterpfarreien von St. Niklaus wenig gesichertes Urkundenmaterial erhalten, das eine weitgehende Rekonstruktion der Pfarreientwicklung erlauben würde. Die vier heutigen Tochterpfarreien von St. Niklaus sind Zermatt, Randa, Täch und Herbriggen. Zermatt war vermutlich ein Rektorat, dass sich schon früh von St. Niklaus trennte. Trotzdem scheint es, dass Zermatt noch lange von St. Niklaus abhängig war, denn das Beinhaus von Zermatt soll neben der Kirche in St. Niklaus gestanden haben.

Auch Randa war ursprünglich ein Rektorat, das 1730 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Allerdings gibt es keine Urkunden, die erwähnen, unter welchen Umständen die Trennung vonstatten ging.

Ein Teil von Täsch war von Visp pfarreigenössig, wurde aber 1423 eine eigenen Pfarrei. Das Gebiet zwischen Täschbach und Hohsteg verblieb jedoch bis ins 19. Jahrhundert bei St. Niklaus. In einer Verordnung aus dem Jahre 1634, ausgestellt von Bischof Hildebrand Jost, geht lediglich hervor, dass es dem Pfarrer von Täsch erlaubt wird, in diesem Gebiet gewisse pfarrherrliche Funktionen auszuüben, die rechte des Pfarrers von St. Niklaus dadurch jedoch in keiner Weise beschnitten würde.

Herbriggen, das als letzte Tochterpfarrei politisch zur Gemeinde St. Niklaus gehört, war seit 1791 ein eigenes Rektorat, das 1933 zur Pfarrei erhoben wurde.

 

Das alte Gemeindehaus von St. Niklaus

Ca. 1640 wurde das alte Gemeindehaus in St. Niklaus gebaut, wie auf einer Binde im ersten Stock festgestellt werden konnte. Das Gebäude bestand damals nur aus einem Stockwerk und diente als Burgerhaus. Die Erbauer, ebenfalls auf einer Binde vermerkt, waren von Schallen, Steiner, Binder (heutige Biner) und Imboden. Der Verwalter war Mauritius Riedi.

Rund 200 Jahre später, um 1840, wurde der zweite Stock des Gebäudes gebaut.

1886 diente das Haus während kurzer Zeit als Gasthaus. Eine Binde im zweiten Stock hält die Namen Summermatter Franziska und Summermatter Severin fest.

Im Untergeschoss des Hauses richtete sich Kalbermatter Alfred 1911 eine Bäckerei ein. Im ersten Stock befand sich ein kleiner Laden. Der Rest des ersten Stocks wurde zu einer Wohnung umgebaut.

1949 kaufte Kalbermatter Alfred auch den zweiten Stock des Gebäudes von der Gemeinde ab.

1950 kauften Biner Alois und Kalbermatter Alfred, der Sohn des oben erwähnten Alfreds, den zweiten Stock.

1956 erwarb Biner Alois auch den ersten Stock.

1977 renovierte die im Gemeindehaus wohnhafte Familie Biner-Kalbermatter das baufällig gewordene Gebäude.

1983 renovierte man das Gemeindehaus ein zweites Mal. Das Gemeindehaus ist nicht mehr im Besitz der Gemeinde, es ist das heutige Wohnhaus von Biner Viktorine, die das altertümliche Gut mit grossem Einsatz pflegt.

 

 

 

Quellen:
Heimatbuch St. Niklaus, 1975, S. 473ff.
Meierturm St. Niklaus, Informationstafeln im Burgerkeller
Ortsplanung St. Niklaus, Schlussbericht 1989, S. 70ff.
www.bergfuehrer.org, Christian Imboden
"Pfarrei und Kirche von St. Niklaus", Karl Burgener
Informationsblatt Nr. 20, Juli 1993, (Paul Truffer)